Kerstin Beckert | Welttag der Ozeane: Great Barrier Reef

Welttag der Ozeane: Great Barrier Reef

Welttag der Ozeane: 8. Juni 21

 

    One Ocean, One Climate, One Future

    (World Ocean Day Youth Advisory Council, 2021)

     
     
    Die Welt, in der wir leben, verändert sich.

    Immer wieder.

    Im Kleinen, in unserem Alltag, und ebenfalls, wenn man in größeren Dimensionen denkt.

    In den rund 4,6 Milliarden Jahren, in denen unsere Erde existiert, hat sie schon viele Umweltveränderungen durchgemacht. Für Lebewesen war dies oft nicht leicht zu kompensieren. Wie gravierend die Folgen sein können, zeigte sich z.B. am Ende der Kreidezeit. Kennzeichnend waren damals v.a. aktive Vulkane, Baumfarne, Saurier und riesige Ahorn- oder Mammutbäume. Sogar Vorfahren der heutigen Magnolien gab es schon. Ein durch Vulkan-Asche und Staub verdunkelter Himmel, sowie ein Meteoriteneinschlag vor rund 66 Millionen Jahren veränderten diese Umwelt drastisch und führten letztendlich wohl dazu, dass die Dinosaurier ausstarben.

     

    Vegetationsbeispiele, Kreide- bzw. Kaltzeit (Bilder: Kerstin Beckert)
     

    Vor rund 22.000 Jahren zeigte die letzte Kaltzeit hingegen ein gänzlich anderes Gesicht. Große Teile des heutigen Nordeuropas waren von einer kilometerdicken Eisschicht bedeckt. In eisfreien Regionen gab es dagegen Permafrostböden oder baumlose Graslandschaften, Flechten, Moose – und je nach Region Mammuts, Höhlenbären, Moschusochsen oder Riesenkängurus. Erst rund 5.000 Jahre später zogen sich Eispanzer und Dauerkälte langsam zurück.

    Globale Veränderung

    Zwar mögen sich unsere Lebensbedingungen von denen in der Kreide- oder Kaltzeit grundsätzlich unterscheiden. Doch Klimawandel ist stets ein globales Problem. Stellt man irgendwo auf der Welt tiefgreifend und nachhaltig an einer ökologischen Schraube, wirkt sich dies auf alle Lebewesen aus, die existieren (nicht nur auf Dinosaurier). In irgendeiner Weise. Dabei ist es letztendlich egal, ob die Veränderungen natürlichen Ursprungs oder menschengemacht sind: Sie zu bewältigen, ist eine weltweite Herausforderung. Auch heute noch.

    Gerade in spezialisierten Lebensräumen werden die Auswirkungen besonders deutlich. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Weltmeere. Im Jahr 2009 hat die UNO (Vereinte Nationen, engl. United Nations Organisation) deshalb den internationalen Tag der Ozeane initiiert.

    Farbenfrohe Wohngemeinschaft

    Das Great Barrier Reef vor der Ostküste Australiens: eine bunte Welt aus Fischen, Korallen, Seegurken und Anemonen, für Taucher ein echtes Paradies. Doch abgesehen davon handelt es sich auch um ein ausgeklügeltes Ökosystem, das ganz bestimmte Rahmenbedingungen benötigt, um zu existieren. Wird das Gleichgewicht gestört, hat das unweigerlich Konsequenzen für das ganze Riff.

     

    Bilder: Kerstin Beckert
     

    So gehen z.B. tropische Korallen, die nahe an der Wasseroberfläche leben, mit einzelligen Algen eine Zweckgemeinschaft (Symbiose) ein. Die Algen leben auf der Oberfläche der Korallen und produzieren dort mit Hilfe von Sonnenlicht u.a. Zucker. Dieser Prozess wird Photosynthese genannt. Die Korallen benötigen den Zucker als Energiequelle. Im Gegenzug „geben“ sie den Algen Kohlendioxid und Wasser ab. Eine Win-Win-Situation, von der beide profitieren. Sie ist jedoch abhängig von der Menge des auf die Algen einfallenden Sonnenlichts. Zuviel davon ist ebenso schädlich, wie zu wenig.

    Beispiel 1: Ansteigender Meeresspiegel

    Hier kommt z.B. der Meeresspiegel ins Spiel – nach Meinung vieler Forscher steigt er in den nächsten Jahren deutlich an. Dies würde dazu führen, dass weniger Licht in die unteren Schichten des Riffs gelangt, Temperatur und Umweltbedingungen ändern sich. Die in den Korallen enthaltenen Algen können nicht mehr ausreichend Photosynthese betreiben, was wiederum Folgen für ihren Symbiosepartner hat.

    Korallenkolonien gleichen solche Veränderungen normalerweise aus, indem sie in die Höhe wachsen. Eine Strategie, die den Riffen schon am Ende der letzten Eiszeit vor rund 20.000 Jahren beim Überleben half. Steigt der Meeresspiegel jedoch deutlich schneller an, als die Korallen wachsen können, wird dies ein Problem.

    Eine weitere Hürde: Der Ozean nimmt das vom Menschen vermehrt abgegebene Kohlendioxid – eines der so genannten Treibhausgase – aus der Atmosphäre auf, er wird „saurer“. Kohlendioxid bindet aber im Meerwasser gelöstes Kalziumkarbonat. Experten vermuten, dass den Korallen dadurch weniger Kalziumkarbonat für den Aufbau ihres Stützskeletts zur Verfügung steht, es würde „weicher“ und weniger stabil. Dieser Prozess könnte die Wachstumsrate der Riffe reduzieren, und damit ihre Fähigkeit, einen Anstieg des Meeresspiegels zu kompensieren.

    Beispiel 2: Ansteigende Temperatur

    Erwärmt sich die Wasseroberfläche anhaltend über 30 Grad Celsius, hat auch dies Auswirkungen auf die Korallen. Ihre Algen produzieren plötzlich Giftstoffe statt des lebenswichtigen Zuckers, und die Korallenpolypen stoßen sie ab. Dadurch verlieren sie ihre Farben, sichtbar ist nur noch das weiße Kalkskelett. Dieser Prozess wird Korallenbleiche genannt. Im Jahr 2016 waren davon weltweit etwa 30 Prozent aller Riffe betroffen.

    So genannte „Hitzewellen“ kommen immer häufiger v.a. in Küstennähe vor. Durch den Klimawandel werden außerdem Wirbelstürme immer stärker und schädigen z.B. karibische Riffe, Algen vermehren sich, der Sauerstoffgehalt des Wassers verringert sich, Fische und andere Riffbewohner wandern ab.

    Auch wenn sich das ein oder andere Riff vielleicht wird anpassen können: In den letzten Jahren gingen an der Korallenbleiche bereits viele Kolonien zugrunde. Und mit ihnen starb erdgeschichtlich betrachtet in einem Wimperschlag ab, was zuvor in vielen Hundert oder Tausend Jahren gewachsen war.

    Wissenschaftliche Rettungsversuche

    Da Korallenriffe wichtig für das ökologische Gleichgewicht im Ozean sind, versuchen Forscher auf der ganzen Welt, diese mit vielfältigen Ideen zu retten (einige Links dazu habe ich unten zusammengestellt). Am Meeresforschungsinstitut AIMS (Australian Institute of Marine Science) in Queensland etwa züchten sie Korallen, die mit dem Hitzestress besser umgehen können. Große Hoffnungen setzt man dort u.a. auf die so genannten Tischkorallen (diese sehen einem einbeinigen, runden Tisch sehr ähnlich, daher der Name). Karibische Wissenschaftler siedeln dagegen gleich besonders widerstandsfähige Arten um und versuchen so, ein durch Korallenbleiche geschädigtes Riff wieder aufzuforsten. Andere simulieren mit Hilfe von gesunkenen Schiffen ein künstliches Riff und hoffen, dass Korallen dieses als neues Zuhause annehmen. Eher langfristig angelegt ist ein Experiment der australischen Southern Cross University (SCU), in dem man mit künstlich erzeugten Wolken versuchte, das Great Barrier Reef quasi zu „beschatten“. Andere Wissenschaftler haben es in der Vergangenheit mit einem „Sonnenschirm“ versucht.

    Kleine Ursache, große Wirkung

    Geht ein Riff zugrunde, hat dies auch Auswirkungen auf die Menschen, die in seiner Nähe leben. Wellen treffen mit größerer Wucht auf die Küste, Überschwemmungen drohen. Lokale Fischer haben große finanzielle Einbußen, weil die Fische abgewandert sind. All das zeigt, wie empfindlich das ökologische Gleichgewicht unseres Planeten ist. Es ist nicht möglich, ein klimatisches Puzzlestück unabhängig vom anderen zu verändern. Alles hängt mit allem zusammen, Pflanzen, Tiere, Menschen. Es gibt nur eine Welt und die brauchen wir für unsere Zukunft.

     
    Wer mehr über die faszinierende Welt der Korallen wissen möchte:

    https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/mensch-natur-umwelt/radiowissen-korallen-hintergrund100.html

    Dort findet sich ein Hintergrundtext, den ich vor einigen Jahren für den Bayerischen Rundfunk schreiben durfte. Er ergänzt mit diversen Arbeitsmaterialien für die Schule einen Radiobeitrag von Bernd-Uwe Gutknecht.
     
     
    Weitere Infos und Links:

     

    Letztes Update: 29.06.2021