Kerstin Beckert | Im Wandel der Jahreszeiten: Sommer

Im Wandel der Jahreszeiten: Sommer

 

    Ganz persönlich: Insektenparadies im Mini-Format

    Der Blumenkasten – Snack-Bar für Bienen, Schmetterlinge & Co.

     

    Schmetterling: Kleiner Fuchs

     
    Die Zahl einiger Fluginsekten hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Dies betrifft vor allem Schmetterlinge, Wildbienen, Schlupfwespen, Zikaden oder Käfer. Dabei haben die Gliederfüßer für unser Ökosystem eine große Bedeutung. Einige von ihnen sind auf lästige Blattläuse spezialisiert (was die Gärtner unter meinen Lesern freuen wird) – wie etwa Marienkäfer. Andere Sechsbeiner zersetzen u.a. alte Pflanzenreste und sorgen so für ein ökologisches Gleichgewicht im Boden. Insekten sind zudem Nahrung für viele Tiere, wie z.B. Fledermäuse oder Vögel. Und sie sind unverzichtbare Bestäuber für Obstbäume oder Gemüsepflanzen.

    Wer den Fluginsekten helfen möchte, benötigt dazu gar nicht viel Platz auf Balkon oder Terrasse. Einfach übrig gebliebene Sonnenblumenkerne vom Winter fingertief in einem Blumentopf einpflanzen. Oder die Samen aus einer der vielen Wiesenblumen-Mischungen im Frühling in einen mittelgroßen Blumenkasten oberflächlich einsäen, mit wenig Erde bedecken, angießen und Geduld haben. Dann kommt sicherlich bald ein Brummer zu Besuch.

    Tierische Vielfalt zu Gast

    Ich selbst gehöre ebenfalls in jedem Frühjahr zu den fleißigen Hobbygärtnern. Zu meinen tierischen Gästen gehören: Erd- und Ackerhummeln, Honig- und Mauerbienen, sogar eine schwarzblau schimmernde Holzbiene kommt öfter vorbei.
     

    Honigbiene auf Bidens (Zweizahn)

     
    Auch Rosenkäfer, Kohlweißlinge, Zebraspringspinnen, Marienkäfer(larven), Wanzen, Schmetterlings-Raupen, Eichenschrecken oder Blattwespen haben mich in den letzten Jahren schon besucht. Ganz selten sind Taubenschwänzchen, Gammaeulen, Distelfalter oder der kleine Fuchs. Nicht zu vergessen zahlreiche, sechsbeinige „Irrlichter“, die so schnell von Blüte zu Blüte fliegen, dass man sie kaum bestimmen (oder gar fotografieren) kann.

    Auch blühende Küchenkräuter werden meiner Erfahrung nach von Insekten gerne besucht. Was viele nicht wissen, bereits gekeimte Gemüsezwiebeln muss man nicht zwangsläufig wegwerfen. Im Frühling (nicht zu tief) eingepflanzt, brauchen sie ein wenig Zeit und reichlich Sonne, um aufzublühen. Ihre weißen Blüten öffnen sich jedoch später, als die Allium-Kugeln aus dem Handel, und bieten Hummeln und Wildbienen einen reich gedeckten Tisch.
     

    Sich öffnende Blüte der Gemüsezwiebel

     

    Kommen leider ebenfalls vor

    Natürlich gehören auch Blattläuse, Wespen, wurzelfressende Engerlinge und andere Schäd- oder Nervlinge im Blumenkasten dazu, das will ich nicht ausklammern. Doch bisher waren sie auf meinem Balkon eher selten. Daher ist der Spaß aktuell größer, als der Schaden (was sich natürlich durch die zunehmend heißen und feuchter werdenden Sommer künftig ändern kann).

    So ein Mini-Insektenparadies ist vermutlich nur ein relativ kleiner Beitrag gegen das weltweite Insektensterben, dafür aber ein wahres Glücksgefühl für Hobbygärtner.Innen. Hinzu kommt das gute Gefühl, etwas Nützliches zu tun. Auch wenn die Gliederfüßer durch die kältere Wetterlage im Frühjahr 2021 bei mir nicht ganz so zahlreich waren, irgendwas ist auf dem Balkon immer los. Besonders Hummeln und Wildbienen sind treu.

    Pflanzenübersicht auf Youtube

    Eine Übersicht über die „Lieblingspflanzen“ meiner geflügelten Gäste habe ich in einer Audio-Slideshow zusammengestellt. Sie zeigt darüber hinaus Bilder und Videos von einigen der schönsten Insekten-Momente auf meinem Balkon, gesammelt in den letzten Jahren.

    Meine Erfahrung: ein Hoch auf den floralen Gemischtwarenladen im Blumentopf! Es muss nicht gleich das halbe Blumengeschäft sein. Wenige Kräuter, selbst gesäte Wiesenblumen oder Sonnenblumen reichen aus. Bei einem bunten Pflanzenangebot gibt es immer Blüten, die auf ihre Besucher warten. Die Mischung macht´s auch hier.

    Und noch ein letzter Tipp: Wer empfindlich reagiert, sollte beim Blütenausputzen in seinem kleinen Paradies einen Haushaltshandschuh mit langem Schaft anziehen. Nur für den Fall, dass man ein kleines Hummelchen auf einer Blüte ganz unten übersehen hat.
     
    Wer auf meinem Youtube-Kanal „nature-slides“ vorbeischauen mag:

    https://www.youtube.com/watch?v=8UBTXKoB7QI
     
    Autorin (Idee, Konzept + Texte): Kerstin Beckert
    Kanal: https://nature-slides by Kerstin Beckert
     
    Bilder in diesem Blog-Beitrag: Kerstin Beckert (all rights reserved)
     
    Hinweis: Diesen Beitrag habe ich aus freien Stücken und unbeeinflusst geschrieben, ohne eine Gegenleistung dafür zu erhalten.
    Zur Wahl der Wiesenblumenmischungen: Hier achte ich darauf, dass es sich nicht um Saatgut handelt, bei dem auf der Verpackung steht, dass man „“Lizenzinformationen“ lesen oder „Nutzungsbeschränkungen“ einhalten muss. Einfach aus Überzeugung.

     
    Letztes Update: 18.08.2021