Kerstin Beckert | Wandel der Jahreszeiten: Herbst (1)

Wandel der Jahreszeiten: Herbst (1)

 

    Gast im „kleinen Insektenparadies“

     

    Später Besuch: das Tagpfauenauge

     
    Es muss Herbst werden. Die Blätter der Bäume leuchten in den schönsten Farben, der Wind pfeift um die Häuserecke und die Temperaturen sinken merklich. Brrr …

    An einem nicht zu kalten Tag mit Sonnenschein und angenehmen 12 Grad Celsius genießen wir Menschen dann gerne einen Spaziergang. Warm eingepackt, mit dicker Jacke und Schal. Schmetterlinge bekommen jedoch kein Winterfell, oder ein warmes Daunengefieder. Vor der Kälte schützen können sie sich also nicht und sind im Herbst nur noch selten an Blüten zu beobachten.

    Vier Augenflecken


    Bild: Tagpfauenauge (by Kerstin Beckert)
     
    Unentwegte scheint es trotzdem zu geben. Heute hat z.B. ein ausgewachsenes Tagpfauenauge den Asterstrauch auf meinem Balkon entdeckt. Der rote Schmetterling mit den vier großen Augenflecken hat sich demensprechend lange an den Blüten aufgehalten. Unterbrochen wurde das „Trinkgelage“ nur, wenn das arme Tier durch den Wind kurz weggepustet wurde. Tapfer hat es dem Gegenwind getrotzt und ist nach jeder Runde immer wieder auf der Aster gelandet. Frei nach dem Motto: Neue Runde, neues Glück (oder voller Magen).

    Eine schöne Überraschung. Bei Tagpfauenaugen jedoch nicht so unüblich.

    Herbst und Winter

    Je nach Klima, können sich von Juni bis Oktober durchaus ein bis drei Raupengenerationen zu einem Falter entwickeln. Im Herbst sind Tagpfauenaugen daher noch häufiger unterwegs.

    Reiselustig ist Aglais io*, wie das Tagpfauenaugen wissenschaftlich genannt wird, aber eher nicht. Der Weg in den warmen Süden ist viel zu weit. Der Edelfalter bleibt lieber in heimischen Gefilden und überwintert dort sogar. Nicht als Puppe oder Raupe, sondern als ausgewachsener Falter (zoologisch: Adultform oder Imago). Wird es richtig kalt, zieht sich dieser in die Winterruhe zurück. Dabei mag er es trocken und geschützt, bevorzugt Keller, Gartenhäuschen, kalte Garagen, Fuchsbauten oder ähnliches. Und wird im Frühling wieder einer der ersten Schmetterlinge an der Blütentankstelle sein.

    Farbenspiel und Putzpfoten

    Die Raupen der Tagpfauenaugen mögen den Farbwechsel. Erst sind sie grüngelb, dann schwarz mit kleinen weißen Punkten. Außerdem haben sie zum Schutz vor Fressfeinden (Vögel!) spitze „Dornen“ auf dem Rücken.


    Bild: Scabiosa (by Kerstin Beckert)

    Während die Raupen vor allem Brennnesseln fressen (durchaus nützlich), bevorzugen die adulten Tiere blauviolette Disteln, Schmetterlingsflieder, Scabiosen, Kleeblüten oder Flocken-/Kornblumen. Je nach Jahreszeit aber auch Weiden, Löwenzahn, Früchte, Beeren und auf dem Balkon: Astern und Bidens, den gelbblütigen Zweizahn.


    Bild: Flockenblume (by Kerstin Beckert)

    Wer genug Zeit hat, die Extremitäten zu zählen (wirklich still sitzen Schmetterlinge ja eigentlich nie), der wird sehen, dass er bei Tagpfauenaugen nur zwei Beinpaare finden wird. Die beiden Vorderbeine sind verkürzt und dienen dem Tasten. Sie werden darüber hinaus auch Putzpfoten genannt, da die Schmetterlinge sie zur Körperpflege benutzen.

     
    Wer einen Videobeweis möchte, die Bilder zum Thema gib´s hier: https://www.youtube.com/watch?v=vyEG5qDpGNs.