Kerstin Beckert | Toilettengeschichten: Im öffentlichen Raum

Toilettengeschichten: Im öffentlichen Raum

 

    Manchmal kaputt und häufig verdreckt – Wenn „Müssen“ unterwegs zur Mutprobe wird

     
    Wir alle brauchen sie.
    Für die meisten ist sie selbstverständlich.
    Möglichst still soll sie sein.
    Gleichwohl könnte sie oft wahre Gruselgeschichten erzählen.
    Wenn sie denn reden könnte …

    Die Toilette im öffentlichen Raum

    Gerade bei „unbeobachteten“ Anlagen handelt es sich oft um einen unwirtlichen Bereich, den die meisten nur aufsuchen, wenn es dringend nötig ist. Zu dreckig, zu unsauber, zu bäh. Und dass, obwohl es manchmal sogar eine (durchaus diskutierbare) „Bezahlschranke“ gibt. Papier liegt auf dem Boden, mitunter gibt es Wasserlachen, Brillenrand oder Deckel sind mit Urin verschmutzt. Im Inneren befinden sich gelegentlich noch Stuhlreste. Der Geruch ist nicht nur für empfindliche Nasen eine Herausforderung. Und das Waschbecken sieht meist nicht sauberer aus.

    Bild: von Hands off my tags! Michael Gaida auf Pixabay

    Wirklich dringend

    Doch hin und wieder wird sogar das garstigste Klo einmal gebraucht. Die Gründe für das alternativlose Anliegen sind vielfältig: Ein Getränk zu viel, der Spaziergang nimmt ungeplante Ausmaße an, der Nachwuchs hat ein dringendes Bedürfnis oder möchte die Hände waschen.
     
    Öffentliche Toilettenanlagen werden oft frequentiert. Und entsprechend groß sind die Reinigungs- und Instandhaltungskosten für die Betreiber.

    Frankfurter Örtchen

    Ein Beispiel: die Stadt Frankfurt am Main. Hessens bevölkerungsreichste Stadt war bis letztes Jahr für insgesamt 20 ihrer Toilettenanlagen selbst verantwortlich. Für deren regulären Betrieb zahlte sie alleine im Jahr 2020 insgesamt fast eine Million Euro, erklärt Günter Murr, Sprecher des zuständigen Dezernats für Bau und Immobilien (ABI). Die Aufwendungen für alle in Frankfurt vorhandenen, öffentlichen WCs seien aber noch deutlich höher gewesen. Denn weitere Anlagen wurden zusätzlich durch einen externen Dienstleister betreut (Update: mittlerweile ist dieser für fast alle städtischen Örtchen zuständig).

    Zu den oben genannten Reinigungs- und Instandhaltungskosten kamen im Jahr 2020 außerdem noch Sachbeschädigungen hinzu, die eine Nutzung des Klosetts manchmal sogar unmöglich machten. Zu den häufigsten Zerstörungen, mit denen Frankfurt am Main (auch heute noch) zu kämpfen hat, zählt Günter Murr u.a. Graffitis, eingetretene Türen, herausgerissene Spülkästen, Siphons, Seifenspender und Halter für Toilettenpapier. Die Reparatur solcher Vandalismus-Schäden kostete die Stadt im vergangenen Jahr alleine in den 20 oben beschriebenen Anlagen rund 79.000 Euro.

    Schön ist anders

    Trotz aller Bemühungen: Auch wenn es sich um einen fast schon demokratischen Ort handelt, an dem doch wirklich ein Jeder gleich ist, und auf den viele zuweilen (freiwillig oder unfreiwillig) angewiesen sind: Manche Toilette in der Stadt oder dem Park sieht so verheerend aus, wie man es in den eigenen vier Wänden vermutlich niemals zulassen würde. Kein Ort, den man gerne besucht.

    Der Einsatz lohnt

    Aber auch, wenn einige Nutzer dem so liebevoll genannten „stillen Örtchen“ (und dem dafür zuständigen Fachpersonal) anscheinend kaum oder gar keinen Respekt entgegenbringen – gerade hier wäre rücksichtsvolles Verhalten sicherlich notwendig. Denn nur wenige Orte werden von so vielen Menschen besucht, wie eine Toilette im öffentlichen Raum.

    Für ein sauberes und funktionsfähiges „Gemeinschafts-WC“ lässt sich aber einiges tun. Nichts kaputtmachen und nichts verdrecken gehören natürlich dazu, ebenso (aktuell) das Tragen einer medizinischen Maske und, ganz allgemein, ein hygienisches Miteinander.

    Bild: von zerpixelt auf Pixabay

    Was auch hilft: träumen

    Von gut bezahltem und geschultem Reinigungspersonal mit genügend Zeit. Von sanitären „Gemeinschaftsräumen“, die auf dem neuesten Stand sind und weitestmöglich kontaktfrei benutzt werden können. Von ausreichend Flüssigseife, Desinfektionsmittel, Toilettenpapier und Papierhandtüchern, die zur Verfügung stehen. Und von beachtlichem Durchhaltevermögen bei den Betreibern der öffentlichen Toilettenanlagen, wenn wieder einmal etwas durch Vandalen zerstört und kostenintensiv saniert werden muss.

    Vielleicht ist das eine Utopie – aber man wird ja noch träumen dürfen. Bei guter Behandlung gleicht der Besuch einer öffentlichen Toilette dann vielleicht bald keiner Mutprobe mehr.

     

    Weitere Infos zum Thema:

    Infos zur Ansteckungsgefahr mit Keimen in öffentlichen Toilettenanlagen gibt es unter Das öffentliche WC: Eine saubere Sache?.